Vom Logo zur Identität

Vom Logo zur Identität

Corporate Design, Visuelle Identität, Erscheinungsbild oder Branding – heute existieren zahlreiche Begriffe für einheitliche Gestaltungskonzepte von Unternehmen oder Institutionen. Ein konsistenter und wiedererkennbarer Auftritt ist längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Die Ausstellung „Vom Logo zur Identität“ zeichnet die geschichtliche Entwicklung systematischer Markengestaltung anhand wegweisender Beispiele nach.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden in Deutschland einige der weltweit ersten Beispiele für das, was später als Corporate Design bekannt wurde. Mit seinem gestalterischen Gesamtkonzept für den Berliner Elektrizitätskonzern AEG legte Peter Behrens ab 1907 den Grundstein für moderne Markenbildung. Das Bauhaus griff diese Entwicklung auf und trug mit seinem Verständnis von Gestaltung wesentlich zu ihrer internationalen Verbreitung und Weiterentwicklung bei. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs knüpfte man in der Bundesrepublik an die wegweisenden Gestaltungsprinzipien der Vorkriegsjahre an. Die einflussreiche Designschule HfG Ulm und eine Reihe junger Grafikdesigner*innen prägten Anfang der 1960er Jahre ein neues Verständnis von systematischem und funktionalem Design. Es entstanden visuelle Identitäten für Braun, Lufthansa, die Olympischen Spiele 1972 sowie für viele andere Unternehmen und Institutionen. Das zur Demokratie zurückgekehrte und wirtschaftlich prosperierende Land zeigte seine neue Haltung mit systematisch entwickelten Designlösungen, die den Alltag visuell prägten.

Collage historischer Corporate-Design-Exponate: DLR-Handbuch, Lufthansa-Dokumente, SPD-Logo und Deutsche-Bank-Entwürfe

A5 Collection, Düsseldorf
Die A5 Collection ist eine privat initiierte Sammlung zur Entwicklungsgeschichte von Grafik­design in Deutschland. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der internationalen Entwicklung visueller Identitäten und Logos. Die Bestände umfassen sowohl Unikate aus Nachlässen von Gestalterinnen und Gestaltern als auch millionenfach produzierte Alltagsgegenstände. Die wachsende Sammlung ist im Düsseldorfer Designbüro vista beheimatet und wird von Katharina Sussek und Prof. Jens Müller geleitet. Sie ist während der Arbeit an zahlreichen Buchprojekten zur Designgeschichte entstanden, darunter internationale Standardwerke wie „Logo Modernism“, „Design Pioniere. Die Erfindung des deutschen Grafikdesigns“ oder „Lufthansa + Graphic Design“.


Ausstellungsansicht mit blauer Stellwand mit Highlight-Plakaten aus der A5 Collection, einem Flughafen Wegweiserschild, historischen Piktogrammen und Besuchern im Hintergrund
Ansicht eines Ausstellungsraums mit großformatiger Logo-Wand, Glasvitrinen mit Exponaten und historischen Plakaten beispielsweise von der Hannover Messe und IDZ

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der japanischen DNP Foundation. Unter dem Titel „Identity Systems Germany“ wurde sie im Zusammenspiel mit der ebenfalls aus der A5 Collection bestückten Schau „Back to Modern“ zwischen Herbst 2024 und Sommer 2025 in Japan gezeigt – in der ddd gallery in Kyoto und in der ggg Gallery im Herzen von Tokio. Die beiden traditionsreichen Institutionen gehören zu den bekanntesten Galerien für Grafikdesign in Asien. Insgesamt sahen rund 80.000 Besucher die Ausstellungen in Japan. Mehrere Begleitveranstaltungen mit Kooperationspartnern wie dem Goethe-Institut und lokalen Hochschulen ergänzten die Präsentationen. Ab Herbst 2026 wird die Ausstellung unter dem Titel „Vom Logo zur Identität“ erstmals in Europa gezeigt – in den geschichtsträchtigen Räumen der ehemaligen Hochschule für Gestaltung Ulm, die heute als HfG-Archiv zum Museum Ulm gehören.

Außenansicht der ddd gallery in Kyoto, Japan mit Ausstellungsfahnen und Plakaten der „Identity Systems Germany“-Ausstellung in englisch und japanisch
Ausstellungsplakate der Kyoto ddd Gallery und der Ginza Graphic Gallery Tokio: „Identity Systems Germany – Rebranding Wet-Germany after 1945“ in Blau und in Rot mit Key Visual
Schematische Wandabwickung der Logowand aus der Ausstellung: Rasterhafte Darstellung von 31 historischen deutschen Corporate-Design-Logos auf weißem Grund

Die Ausstellung zeigt wegweisende Corporate-Design-Lösungen von Designern wie Otl Aicher (1922–1991) oder Anton Stankowski (1906–1998). Zu den Exponaten gehören seltene Plakate und Designhandbücher, in denen die ursprünglichen Konzepte festgehalten wurden. Originaldokumente, darunter Konzeptzeichnungen und Druckmuster, belegen die hohe Qualität der handwerklichen Designarbeit. Ein Vorspann zeigt Beispiele früher deutscher Markengestaltung aus den 1910er- und 1920er-Jahren. Kurze Texte erläutern die geschichtlichen Hintergründe und Wissenswertes zu ausgewählten Projekten und Persönlichkeiten. Der ephemere Charakter der Exponate ermöglicht sowohl Fachleuten als auch interessierten Laien einen niedrigschwelligen Zugang zur Ausstellung — sei es, um mehr über Design zu lernen oder in Erinnerungen zu schwelgen.

Detailaufnahme früher deutscher Markengestaltung der 1910er- und 1920er-Jahre mit dem Bayer-Signet und dem Kaffee-HAG-Logo als Beispiele erster systematischer Corporate Identity
Blue exhibition wall featuring a reprint of Braun's 1955 Corporate Design Manual
Nahaufnahme einer Glasvitrine mit Olympia-Druckerzeugnissen von 1972 und Original-Entwürfen des Olympia-Logos 1972, Original-Foto von Otl Aicher
Glasvitrine mit Ausstellungsdokumenten zu Laufthansa-, Braun, ZDF- und ERCO-Erscheinungsbild an weißer Wand
Ausstellungstisch mit dem Erscheinungsbild der SPD von Helmut Schmid, darunter Wahlkampfmaterial „Weiter arbeiten am Modell Deutschland" (1976) und ein Beitrag im japanischen Designmagazin IDEA
Glasvitrine mit historischen Designdokumenten zu Lunch Bier, Corporate Design der Stadt Berlin, Deutsche Bank, Viessmann; Designer Anton Stankowski
Ausstellungswand mit historischen Lufthansa-Reiseplakaten und Plakaten der HfG Ulm (Hochschule für Gestaltung, Ulm) mit Besucherin
Kind mit Trolley vor der großformatigen Logowand der Ausstellung mit historischen deutschen Corporate-Design-Marken wie ZDF, SPD, Lufthansa, AEG und Tengelmann
Blick aus der ggg Gallery in Tokio durch die Fensterscheibe mit blauer Beschriftung „Identity Systems Germany – Rebranding West Germany after 1945" auf die Straße im Ginza-Viertel
Blick in den Ausstellungsraum der ddd Gallery in Kyoto und Ausstellungsvitrine mit Corporate Design Manuals, darunter Wilkahn Sitzmöbel, Olympia 1972, Stadtwerke Leverkusen, ZDF und mehr
Glasvitrine mit Corporate-Design-Handbüchern und Erscheinungsbildern, darunter Wilkhahn Sitzmöbel, clima Hotel Innsbruck, die Olympischen Spiele München 1972 und die HfG Ulm
Glasvitrine mit grünen Broschüren und Druckerzeugnissen zu Stadtidentitätsprojekt Leverkusen der 1970er Jahre; Designer: Rolf Müller
Ausstellungsraum in Tokio mit beleuchteten Vitrinen, dtv-Plakaten und Münchner Olympia-1972-Postern
Einblick in die Ausstellung mit Fentsterbeschriftung in die Kyoto ddd Gallery mit rotem Schriftzug „Identity Systems Germany – Rebranding West Germany after 1945“
Eingangstür der Kyoto ddd Gallery mit weißem ddd-Logo und japanischer Beschriftung, dahinter die Ausstellung „Identity Systems Germany" mit roter Wand und Piktogrammtafel

Auftraggeber: DNP Foundation, Tokyo
Japanische Typografie: Nicole Schmid, hs design, Osaka
Leistungen: Konzeption und Entwicklung, Ausstellungsdesign, Corporate Design
Jahr: 2024-2026
Fotos: Nobutada Omote, Mitsumasa Fujitsuka


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